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BRAIN-Teaser: Was unterscheidet wirksame Manager (Teil 1)

Es gibt viele Faktoren, die zum Erfolg eines Unternehmens führen, doch eine Konstante ist die Bedeutung der Führung. Erst dadurch werden alle relevanten Faktoren zusammengeführt und es entsteht eine Leistung, die Wert stiftet. Eine Leistung, für die in der Unternehmenswelt Kunden bereit sind zu zahlen, weil ein Nutzen entsteht. Wir können somit Führung (oder das äquivalente Wort Management) als Transformation von Ressourcen in Wert definieren. Das gilt für jegliche Art von Unternehmen und die dazu gehörigen Ressourcen.

Führung ist die Steuerungsaufgabe der Führungskräfte einer Organisation. Das bezieht sich auf alle Führungskräfte, unabhängig von deren Rang. Ist der Einfluss oberer Führungskräften auf den Erfolg eines Unternehmens oft insgesamt grösser, so ist die Leistung eines Spezialisten häufig ebenso entscheidend. Das gilt genauso für unseren handverlesenen Interim Manager.

Nun sind alle Führungskräfte so verschieden, wie Menschen nur sein können. Doch aus Erfahrung und Beobachtung lassen sich klare Faktoren erkennen, welche wirksame Führungskräfte auszeichnet. Wir wollen in diesem ersten Teil auf die Fachkompetenz und insbesondere auf die Grundeinstellung solcher Manager eingehen.

Ist die Fachkompetenz nach Branchen und Funktionen spezifiziert, so ist die Grundeinstellung wirksamer Führungskräfte die gleiche in allen Arten von Organisationen und Führungsrollen. Selbstverständlich gibt es Spezifika, die jede einzelne herausragende Führungskraft charakterisiert und pflegt, doch die hier vorgeschlagenen Grundsätze gelten als gemeinsame Basis.

Aus meiner eigenen zwanzigjährigen Führungserfahrung, sowie aus dem Austausch mit und der Beobachtung von tausenden Führungskräften in meiner Management Berater- und Trainer-Tätigkeit und nicht zuletzt in Anlehnung an den Erkenntnissen vom Management-Doyen Peter Drucker und Professor Fredmund Malik – für den ich vielen Jahren arbeiten durfte – erkenne ich vier entscheidende Grundsätze, die in der Praxis wirksame Führungskräfte auszeichnen:

    1) Resultat-Orientierung im Sinne des Ganzen
    2) Stärken der Mitarbeiter und der Organisation nutzen
    3) Offenheit gegenüber Anderem und anderer Meinungen
    4) Denken in Möglichkeiten und positive Haltung

Bevor wir auf die Grundsätze vertieft eingehen, lassen Sie uns über die Bedeutung der Fachexpertise reflektieren. Wir können bei der Fachexpertise zwei Bereiche unterscheiden – die Kompetenz in Bezug auf die Fachaufgaben und die Branchenkenntnisse. In vielen Unternehmensbereichen ist die Kompetenz in Bezug auf die Fachaufgabe sehr wichtig, doch je höher in der Hierarchie, desto mehr nimmt deren Bedeutung ab. In einzelnen Fälle ist eine hohe Fachkompetenz für obere Führungskräften sogar kontraproduktiv, wenn sie nicht aktiv dagegenwirken, indem sie die Verantwortlichen agieren lassen und den Blick fürs Ganze halten.

Was die Branchenaffinität angeht, so ist diese eine wichtige Erfolgsvoraussetzung, soweit ein Manager in der Lage sein muss, die Grundregeln des Geschäftes zu verstehen und die Aktivitäten im eigenen Verantwortungsbereich beurteilen zu können. Das gilt insbesondere für die Industrie, in der eine Führungskraft Erfahrungen gesammelt hat. Das Geschäft eines Finanzdienstleisters tickt anders als das eines Pharmaunternehmens, doch auch hier gilt es, alert zu bleiben. Disruptive Geschäftsmodelle gibt es nicht erst seit der Erfindung des Internets und sie sind oft aus anderen Branchen entstanden. Gute – und damit meine ich wirksame – Führungskräfte, die für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens sorgen, sind sich dessen bewusst. Das ist Teil der Grundeinstellung, die in den oben erwähnten Führungsgrundsätzen enthalten ist und auf die ich in der Folge eingehen will.

1) Resultat-Orientierung im Sinne des Ganzen

Wirksame Manager sind Resultatorientiert und zwar im Sinne des Ganzen. Sie fragen sich stets: Was ist das erwartete Ergebnis aus einer Tätigkeit? Unabhängig davon, wieso man eine gewisse Tätigkeit angeht – oder angehen muss – sollte man sich diese Frage immer wieder vor Augen führen. Manche unter uns sind sich geübter, in dieser Logik zu denken und zu handeln. Andere müssen sich eher anstrengen. Aber alle, die wirksam sein wollen, müssen es tun. Das hilft, um die eigene Zeit richtig einzusetzen und somit die Effizienz unseres Handelns zu erhöhen. Noch wichtiger ist allerdings, die daraus folgende Effektivitätssteigerung. Bevor eine Tätigkeit begonnen wird, schafft man sich Klarheit über das erwartete Ergebnis und legt somit einen Grundstein zu dessen Erlangung. In einer Organisation sind Resultate oft Zwischenergebnisse auf dem Weg zum Endziel – Kundennutzen stiften. Wirksame Führungskräfte betrachten somit das eigene Handeln und die Ziele im Sinne des Ganzen. Daraus entstehen ein selbstregulierendes Korrektiv und die Entwicklung zu den angestrebten Zielen.

2) Stärken der Mitarbeiter und Organisation nutzen

Das zweite Merkmal wirksamer Führungskräfte, das beobachtet werden kann, ist die Nutzung von Stärken. Es ist leicht und weit verbreitert, Schwächen zu sehen und womöglich versuchen, diese auszumerzen. Doch ausserordentliche Leistungen werden so gut wie immer durch die Nutzung von Stärken erbracht. Es gilt, die eigenen Stärken zu erkennen, sowie diejenigen unserer Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzen. Auf das Unternehmen bezogen, sind besonders die Stärken der Organisation(-seineheiten), der Produkte und Dienstleistungen, sowie des Brands von Bedeutung, um nur einige Schlüsselaspekte zu erwähnen. Herausragende Manager unterscheiden sich vom Mittelmass besonders darin, dass sie alles daransetzen, dass die Stärken entfaltet und konsequent weiter ausgebaut werden können. Schwächen werden hingegen nur insoweit versucht, zu verringern, als sie der vollen Entfaltung der Stärken nicht im Wege stehen.

3) Offenheit gegenüber Anderem und anderer Meinungen

Es ist eine allgemein geteilte Tatsache, dass die heutige Welt eine enorme Komplexität erreicht hat und dass diese weiterwächst. Das ist ein Fakt für alle Unternehmen und man könnte es mathematisch belegen. Aber viel wichtiger für uns Führungskräfte ist, was die Implikationen daraus für unseren Führungsalltag sind? Ohne in die Tiefen der Kybernetik einzusteigen, können wir festhalten, dass Komplexität nur mit Komplexität (wenn überhaupt) beherrscht werden kann (siehe hierzu Ashby’s «law of requisite variety»). Ich werde das Thema in einem nächsten Artikel ausformulieren. Was wir hier festhalten können, ist, dass in einer Organisation, bzw. einem Unternehmen eine Person alleine nicht in der Lage ist, die gesamte Komplexität des Geschäftes alleine zu begreifen, geschweige den zu meistern. Gute Führungskräften sind sich darüber bewusst und pflegen eine offene Haltung. Dieser dritte Grundsatz steht für Offenheit gegenüber Anderen und anderer Meinungen. Sie hören zu und pflegen aktiv den Austausch mit Mitarbeitern, Kollegen und Geschäftspartnern – insbesondere Kunden. Neue und andere Ideen werden nicht von vornherein verworfen, sondern aufgenommen und als Gelegenheit zur Reflexion genutzt. Das ist eine Grundvoraussetzung, um eine Chance zu haben, die Komplexität des eigenen Unternehmens zu begreifen, aber besondere, um situationsgerecht zu handeln. Dabei gilt es, Selbstverantwortung und Selbst-Management zu fördern und die Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, die richtigen Entscheidungen und Handlungen im Sinne des Unternehmens, am Ort des Geschehens direkt zu ergreifen. Das steigert die Leistungskraft der Organisation und schafft Vertrauen. Die Mitarbeiter sind keine ausführenden Kräfte, sondern wertige Gesprächspartner und Wissensträger. Führungskräfte, die nach dieser Maxime handeln, schaffen es, die Mannschaft zu integrieren und deren Kraft voll zu entfalten.

4) Denken in Möglichkeiten und positive Haltung

Die vierte und persönlich entscheidendste Charakterisierung wirksamer Führungskräfte ist die positive Haltung. Diese zeigt sich in einer «es ist möglich» Einstellung. Probleme werden gesehen, aber im gleichen Zug werden Lösungen erkannt und entwickelt. Führungskräfte, die in Lösungen denken, externalisieren nicht die Ursachen eines Problems. Das interessiert sie nur in dem Masse, als es zur Lösung beiträgt. Sie stellen sich hingegen stets die Frage «was kann ich, mit den von mir beeinflussbaren Mitteln, aus dieser Situation tun? ». Die positive Haltung wiederspiegelt sich oft auch in Vertrauen, dass etwas erreichbar ist, sowie in der Kommunikation und Auftreten einer Person. Das setzt die Energien frei – bei einem selbst, sowie im eigenen Umfeld – die es braucht um die angestrebten Lösungen erfolgreich umzusetzen. Diese konstruktive und positive Einstellung kann man sich angewöhnen, und es lohnt sich, daran zu arbeiten. Es ist nicht nur ein wesentlicher Grundstein für Erfolg, sondern macht den Alltag in allen Lebensbereiche viel angenehmer für einem selbst, wie auch für das eigene Umfeld.

Zürich, 9. Februar 2017

Ivan Beldi, lic. oec. HSG
Mitglied der Geschäftsleitung
Leiter Expert Solutions

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